Andachtspost vom 03.01.2021

Der König der Liebe

Für mich ist Weihnachten überhaupt noch nicht vorbei. Wir begehen am 6. Januar das Dreikönigsfest – oder, wie wir sagen, Epiphanias. Was das Wort bedeutet, kann man auf vielen Bildern erkennen. Ein Epiphaniasbild gefällt mir besonders, weil es in der Darstellung so menschlich ist und zugleich eine große religiöse Tiefe hat. Es handelt sich um ein Altarbild in der Kirche St. Alban in Göttingen.

Ich möchte Ihre Aufmerksamkeit zuerst auf die drei Könige werfen: Prächtig sehen sie aus und total verunsichert sind sie: Ein Kind in einem Stall soll der neugeborene König sein, der Erlöser, der Retter?

Der linke König mag sein Geschenk gar nicht hergeben. Zugleich ist seine Darstellung gerade des Gesichts stereotyp und dadurch ein wenig rassistisch. Ich halte nichts davon, solche Bilder abzuhängen. Vielmehr möchte ich es als Mahnung, als ernste Anfrage nehmen: Wo denke ich in Stereotypen und auch in Vorurteilen – bei Menschen, vielleicht auch bei Gott? Davon scheint auch der mittlere König nicht ganz frei. Er ist mehr mit seinem Geschenk beschäftigt: „Das da, dem da?“, könnte seine Geste besagen.

Anders der rechte König. Er hat sein Geschenk übergeben, ist auf die Knie gefallen.

Anrührend, aber auch unklar, was er mit seinen Händen macht: Innig, besitzergreifend, fast brutal umklammert er den rechten Arm Jesu. Will er den, den er nach langer Reise gefunden hat, nicht mehr loslassen? Oder will er auf Nummer sicher gehen, dass der, den er als Erlöser erkannt hat, wirklich aus Fleisch und Blut ist. Ich weiß es nicht. Es ist aber auch nicht wichtig. Wichtig ist, wie Sie und ich reagieren: Gläubig oder ungläubig?

Dem König ist seine Krone zu Boden gefallen. Gehen Sie mit Ihren Augen ein bisschen nach rechts unten. Dort ist ein anderer König angedeutet – leicht zu übersehen: Der König am Kreuz. Die Inschrift „INRI“ ist noch zu lesen. Drei Könige bringen einem Kind königliche Geschenke, doch der wahre König verschwindet fast am Rand des Bildes. Der König der Liebe.

Wie können wir Gott schauen? In Jesus Christus schaut Gott uns.

Wenn wir ihn suchen, werden wir von ihm gefunden.

Wenn wir seine Hand ergreifen, ist er es doch, der uns hält.

Wenn wir vor ihm knien, begegnet er uns auf Augenhöhe.

So wünsche ich Ihnen/Euch Vertrauen und starke Zuversicht

Ihr/Euer Pfarrer Martin Reibis

Gern möchten wir auch jetzt für Sie da sein:

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