Andachtspost vom 24.01.2021

Liebes Mitglied unserer Kirchengemeinde! Zum vierten Sonntag im zweiten, harten Lockdown der Pandemie erreicht Sie unsere Andachtspost.

Wir haben die sonntäglichen Gottesdienste weiter ausgesetzt. Endlich sind die Zahlen gerade auch in den Nachbarkreisen etwas gesunken, allerdings gab es weitere Verschäfungen des Lockdown. Weiter sind Schulen und Kindergärten im Notbetrieb. Trotzdem überlegen wir schon, wann und wie wir wieder mit unseren sonntäglichen Gottesdiensten beginnen können.

Es ist ein gutes Zeichen, dass uns der Gottesdienst fehlt: Das Hören auf Bibelworte, unsere Kirchenmusik. Der gemeinsame Gesang wird voraussichtlich erst in einigen Monaten wieder möglich sein. Selbst einer, der ja leider nicht zu den allzu musikalischen gehört, sehnt sich danach. Wichtig ist mir aber vor allem die Gemeinschaft mit anderen Christinnen und Christen, die bekannten und auch mal das eine oder andere unbekannte Gesicht – halt Menschen, die wie ich auf der Suche sind – gemeinsam auf dem Weg. Denn in, mit und unter dieser Gemeinschaft ist Jesus lebendig, greifbar und nah.

Ach ja, noch eins: Unsere Gottesdiensträume. Das gehört für mich zum Sonntag: Zur Kirche zu gehen. Wie gut, wenn das möglich ist! Das verstehe ich jetzt noch mehr. Die Klein-Altenstädter gehen in ihr Gemeindehaus, wenn sie zur „Kirche“ gehen – auch wenn sie sich ja sehr mit unserer Aßlarer Kirche auf dem Berg verbunden wissen. Auch das Gemeindehaus in Klein-Altenstädten ist schön. Ein Blickfänger sind die wunderschönen Glasfenster. Zuerst war da das große, strahlende Osterfenster auf der Altarseite. Und zuletzt wurden auf der Nordseite acht Fenster zu den Kirchenjahreszeiten und -festen ergänzt. Sechs Fenster zieren die Südseite mit Merkmalen der Kirche: Zuerst die Sakramente, Taufe und Abendmahl, am Schluss, Diakonie und Mission und in der Mitte, Gottesdienst und Gemeinschaft.

Diese beiden werden mir jetzt noch einmal wichtig. Zu den Fenstern sind Kapitel der Bibel beigegeben: In 1. Kor 12 ist die Rede von der großen Unterschiedlichkeit innerhalb der Gemeinde. Gerade sie ist ein Reichtum der Kirche. Und in Mt 18 findet sich das bekannte Jesuswort: Wo zwei oder drei in meinem Namen versammelt sind, da bin ich mitten unter ihnen.

Ich erkenne, die vielen unter dem bunten Kreuz und die zwei, die sich verbinden.

Hoffentlich können wir in Aßlar und Klein Altenstädten bald wieder den feiern, der uns zu dem macht, was wir sind.

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Der Zug ins Leben

Mit dem Zug sind meine Frau und ich in den Urlaub gefahren – in die Bundeshauptstadt. Glück gehabt, denn im September 2020 war das möglich. Verwandte besuchen und ein wenig die geschichtsträchtige Stadt erkunden. Nicht weit vom Bahnhof Friedrichstraße waren wir untergebracht, Berlin Mitte. Wie viele Menschen! Und alle eilig unterwegs, quirlig, hektisch – selbst in Coronazeiten. Berlin ist nicht gemütlich.

Mitten im Getriebe: Das Denkmal am Bahnhof Friedrichstraße, der seine traurige Berühmtheit in der Zeit der deutschen Teilung erlangte. Vis-a-vis steht die Vorhalle, die unter der volkstümlichen Bezeichnung Tränenpalast bekannt wurde. Hier mussten sich Ausreisende und Zurückbleibende verabschieden. Aber noch bedrückender: Das Mahnmal des Bildhauers Frank Meisler: Es erinnert an Kindertransporte in der Zeit des Nationalsozialismus. Wie ist das, wenn Kinder aufbrechen müssen. Wie gut, wenn man an der Hand der Mutter gehen kann oder der großen Schwester. Wie gut, wenn man etwas Vertrautes mitnehmen kann, vielleicht den Teddy oder die Puppe. Der Künstler zeigt: Der Koffer ist leer. Die Kinder nehmen nichts mit sich. Wozu auch.

Zwei Kinder gehen in die andere Richtung. Sie gehen auch anders. Nichts kann uns so viel gute Hoffnung ausdrücken wie Kinder. Der Künstler war eines der Kinder, die nach England verschickt werden konnten. Seine Eltern wurden nur wenige Tage danach deportiert und schließlich im KZ Auschwitz ermordet. Der Junge, den wir nur von hinten sehen, macht sich auf, mit seiner kleinen Schwester an der Hand. Er wird keine andere, eigene Entscheidungsmöglichkeit gehabt haben. Wir wissen nicht, ob er gut angekommen ist. Ob das neue, fremde Land ihm zur Heimat geworden ist. Ob er glücklich geworden ist.

Christinnen und Christen habe eine ähnliche Unsicherheit: Wir haben keine Garantie, dass uns das Wort, das uns zugesagt ist, zur Heimat wird. Wir haben nur Geschichten von Menschen, die uns berichten, dass Heimat für uns da ist, dass es dort Brot und Wein geben wird und gelingende Gemeinschaft. Wir haben Hoffnung und die Gewissheit, dass Gott mitgeht – jeden Weg – bis zum Schluss.

Dem Bildhauer wurde das Bundesverdienstkreuz verliehen. Er berührt mich. Ich bin dankbar, dafür, dass er die Erinnerung wach hält und die Hoffnung. Als Christinnen und Christen ist es unser aller Aufgabe, die Hoffnung fest zu halten, komme was wolle.

So wünsche ich Ihnen/Euch feste Hoffnung auch und besonders in schweren Zeiten

Ihr/Euer Pfarrer Martin Reibis

Gern möchten wir auch jetzt für Sie da sein:

Pfarrerin Friederike Schuppener, Bornstraße 4Pfarrer Martin Reibis, Oberstraße 8a
Tel. 06441 4468578
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