Andachtspost zum 11.04.2021

Liebe Gemeindeglieder, liebe Interessierte,

„Es ist mein Wunsch, dass du gesund bleibst und dass es dir in jeder Hinsicht gut geht – so gut, wie das im Hinblick auf deinen Glauben der Fall ist.“ (3. Johannesbrief 1, 2)

„Frohe Weihnachten!“, rief ich am Dienstag nach Ostern um 8 Uhr morgens zwei Nachbarinnen zu. Es hatte kräftig geschneit. Die eine Frau fegte Schnee von ihrem Auto. Sie musste wohl zur Arbeit. Die ältere Frau auf dem Balkon lachte schallend los. Ich ging schmunzelnd weiter und dachte: Dafür hat es sich schon gelohnt; für das Lachen dieser älteren Frau. Sie ist sonst so wortkarg.

Wenn es die Wunder nicht gäbe, dann würden wir in dem steckenbleiben, was alt und eingefahren und manchmal auch „verbraucht“ ist. Natürlich ist das mit dem Schneewetter so kurz nach Ostern kein großartiges Wunder. Aber man wird vom Schnee und der Kälte plötzlich sofort in eine andere Stimmungslage versetzt: Da ist wieder das Bedürfnis nach Ruhe, nach Gemütlichkeit. Aber wie lange das wohl hält? Vermutlich erfreuen wir uns jetzt am Wochenende schon wieder an zweistelligen Gradzahlen. Und in Nachbars Garten wird bald schon der Rasenmäher zu hören sein.

Eines der am meisten gebrauchten Worte der letzten Jahre ist das Wort „Wohlfühlen“. Da gibt es die Wohlfühlmassage und das Wohlfühlkaufhaus. Ein Wohlfühlzimmer im Wohlfühlhotel, die Wohlfühlwartezone und eine Wohlfühlatmosphäre beim Frisör. Du musst dich rundum wohlfühlen, dann erst geht es dir gut.

Im letzten Jahr aber ist es still geworden um das Wohlfühl-Wort…und wohl auch um die Wohlfühlatmosphäre. Ich glaube, das Wohlfühlen hat etwas mit Balance zu tun. Und zwar mit der Balance, mit dem Gleichgewicht, was ich von innen her selbst feststelle (und nicht, was der Hotelier eines Hotels meint, an mir feststellen zu können). Der Schreiber des 3. Johannesbriefes schreibt an seinen Adressaten: „Es ist mein Wunsch, dass du gesund bleibst und dass es dir in jeder Hinsicht gut geht – so gut, wie das im Hinblick auf deinen Glauben der Fall ist.“ Er hat auch ein Wohlfühlen vor Augen. Aber dieses Wohlfühlen nimmt den Glauben an Gott mit in die innere Balance hinein.

ricardo.ch

Es ist ein Unterschied, ob ich mit einem Tee, mit Kopfmassage oder mit einem kuscheligen Hotelzimmer zum Wohlfüllen komme. Oder aber ob ich alltags wie sonntags den in meine Suche nach Wohlfühlen und Gesundheit mit einbeziehe, der mich lebendig geschaffen hat und am Leben erhält. Das Beten, die innere Einkehr, die „stille Zeit“ sind Momente, in denen wir unsere Sinne versuchen, auf Gott zu richten. „Wir fragen nach Gott“: Gott, was möchtest du mir sagen? Gott, was weckst du in mir, was ich vielleicht noch gar nicht wahrgenommen habe? Gott, wohin soll ich gehen? – Und wir antworten Gott, indem wir erzählen, was in uns ist: Der Dank für das erlebte Schöne des Tages. Die Klage über den Kummer, der sich nicht zum Guten verändert. Die Bitte für das, was sich ändern möge. Und die Bitte für alle, die uns am Herzen liegen. Mich bringt solche Einkehr immer wieder in ein gutes Gleichgewicht, in eine Balance, die mich erdet und eine Balance, die mich so manches Problem in einem ganz anderen Lichte sehen lässt.

„Es ist mein Wunsch, dass du gesund bleibst und dass es dir in jeder Hinsicht gut geht – so gut, wie das im Hinblick auf deinen Glauben der Fall ist.“  In diesen Tagen die innere Balance zu bewahren, das ist schon ein Kunststück. Denn nicht nur die Wetterkapriolen bringen nicht nur wetterfühlige Menschen ins Schwanken. Viel äußere und innere Unruhe haben wir hinter uns und durchleben sie weiter: Wie schaffen wir es, gesund zu bleiben? Wie schaffen wir es, nicht so einsam zu sein? Wen können wir noch treffen? Was, wenn unsren Lieben etwas passiert? Und wohin mit unserer Energie am Ende des Tages, wenn der normale Tagesrhythmus derart durcheinander gebracht ist? 

Wir alle hoffen, dass diese Pandemiezeit „nur“ eine Übergangszeit ist, eine Durchgangszeit. Und wir hoffen, wir schaffen den Übergang, den Durchgang,- auch wenn niemand weiß, wo wir landen werden. Auf dem Weg hin zu Neuem wackelt die Balance ganz gehörig. Sie alle merken das, vermute ich. Es klingt alt und unmodern, aber: Sich an Gott zu wenden und den um Hilfe zu bitten, der Leid und Tod überwunden hat…das kann uns so sehr stärken! Ausbalancierte Menschen, das sind oft aufmerksame Beobachterinnen und Beobachter. Sie nehmen vieles fein wahr. Und zugleich wissen sie – mit ihrem Gott zusammen – das auszusortieren, was zum Leben hilft und was nicht. „So ist mein Wunsch, dass du gesund bleibst und dass es dir in jeder Hinsicht gut geht – so gut, wie das im Hinblick auf deinen Glauben der Fall ist.“ 

Es grüßt Euch und Sie sehr herzlich

Pfarrerin Friederike Schuppener

Das Presbyterium hat am 26.3. beschlossen, dass wir bis Ende April keine Präsenzgottesdienste feiern. In kleinem Rahmen verteilen wir Andachtspost. Andachten können außerdem an folgenden Stellen mitgenommen werden: Ev. Gemeindehaus Aßlar; Ev. Kirche Aßlar; Ev. Gemeindehaus Klein-Altenstädten. Bitte informieren Sie sich immer aktuell auf: www.kirche-asslar.de  und auf dem YouTube-Kanal (Ev. Kirche Asslar).