Andachtspost vom 25.04.2021

Liebe Gemeindeglieder, liebe Freundinnen und Freunde unserer Andachtspost!

Ich hoffe, es geht Ihnen und Euch erträglich gut. Bestimmt hat sich manches verschoben im Alltag. Manche geliebte Gewohnheit ist zur Zeit nicht möglich. Vermutlich gibt es aber auch bei manchen von uns „positive Nebenwirkungen“ der sonst so ernsten Pandemielage.

Die Schöpfungserzählungen in unserer Bibel sind schon bei Kindern und Jugendlichen sehr beliebt. Sie stehen im ersten Buch Mose, also ganz zu Anfang unserer Bibel. Der eigentlich jüngere Schöpfungsbericht ist der, den wohl alle kennen. Darin wird erzählt, wie Gott die Welt in 7 Tagen sozusagen „aus dem Nichts“ heraus erschafft. Ursprünglich ist der Text in hebräischer Sprache geschrieben worden. Das Interessante ist, dass der Schreiber gleich zu Beginn…also ganz zu Anfang unserer Bibel….ein hebräisches Wort verwendet, was es bis heute in unserem Sprachgebraucht gibt. Das Wort heißt: „Tohuwabohu“. Im Internetwörterbuch wird erklärt: „Tohuwabohu“ – das ist völliges Durcheinander, Wirrwarr, Chaos.

Vor der Erschaffung der Welt herrschte Tohuwabohu. Und aus diesem Tohuwabohu heraus erschafft Gott eine neue, sinnvolle Struktur…unsere Welt. Das heißt: Gott ordnet das Chaos, damit Pflanzen, Tiere, Bodenschätze, Luft, Wasser, Sonne, Mond und Gestirne in einem sinnvollen Ganzen existieren können. Dem Menschen gibt Gott die Aufgabe, für dieses sinnvolle Ganze zu sorgen. Der Mensch soll also die Ordnung Gottes pflegen, sie aufrechterhalten oder weiterentwickeln. Und der Mensch soll fürsorglich mit der Welt und mit seinen Mitmenschen umgehen,- so kann man die Formulierungen in der Bibel umschreiben. 

Spätestens seit dem März 2020 spüren wir, dass das mit der Sorge für das sinnvolle Ganze der Welt zu einem ziemlichen Problem werden kann. Ein Problem, was uns völlig über den Kopf zu wachsen droht. Mancher gläubige Mensch fragt sich auch: Hat die Pandemie etwas mit Gott zu tun? Sollen wir etwas daraus lernen? Mutet Gott uns etwas zu, was an Ende zu einer besseren Zukunft führen kann?

Mal sehen, was passiert, wenn wir den Schöpfungsbericht einfach mal 7 Tage weiterschreiben. Ich versuche es einmal. Natürlich stimmt das mit den Abläufen hinten und vorne nicht. Aber ein Versuch ist es wert:

Am 7. Tag der Schöpfung ruhte Gott aus. Gott war zufrieden. „Das ist mir mal richtig gut gelungen, das Werk.“ Zuversichtlich blickte Gott in die Abendsonne.

Am 8. Tag begann das Werk vor sich hin zu werkeln. Die paar Menschen versuchten, sich zu orientieren in der schönen neuen Welt. Sie waren so begeistert, dass sie nicht anders konnten als Pflanzen, Tiere und Boden mit größter Neugier und Achtung zu beobachten und zu genießen. Selbst über die Luft, die über ihren Mund in sie hineinfloss, empfanden sie als ein riesiges Wunder.

Am 9. Tag merkten sie, dass ja nicht mehr alles so in Ordnung war wie ganz zu Anfang. Da war etwas vorgefallen zwischen ihrem Schöpfer und ihnen, den Menschen. Die Scham vor Gott brachte Scham voreinander, und das schuf Distanz zueinander. Eigentlich gar keine schlechte Sache, so ein individuelles Individuum. Aber das trug dazu bei, dass jede und jeder fortan nur auf sich schaute: „Wie kann ich hier überleben?“ „Wie schaffe ich es, durchzukommen?“ „Kriege ich die meiste Luft ab?“ „Kriege ich meinen Bauch voll genug bis heute Abend?“

Am 10. Tag fing jeder Mensch an, sich nur noch im Kreis zu drehen. Jeder sorgte für sich. Niemand für seinen Nächsten. Manche Menschen taten sich trotzdem zusammen,- als Familien, als Gemeinden, als Staaten, als Länder. Trotzdem blieb allen immer wichtig, für SICH das Größtmögliche heraus zu holen, für sich, für seine Familie, für seinen Staat, für sein Land,…an manchen Orten auch für seine Gemeinde. Dennoch waren die Menschen unzufrieden.

Am 11. Tag machte Gott eine Zwischenbilanz und schaute auf seine Erde. „Mensch, das ist ja ein Ding“, dachte Gott. „Die haben irgendetwas missverstanden.“ Wo ist meine Liebe, die ich in die Welt gestreut habe?

Am 12. Tag merkte einer der Menschen, dass ihn etwas „erwischt“ hatte. Er wurde krank. Große Hitze überfiel ihn. Und das Atmen wurde schwerer. Nichts schmeckte ihm mehr: Die Pflanzen und die Tiere und das Wasser.

Am 13. Tag kam großes Unglück über die Welt. Menschen starben, Menschen vereinsamten, Menschen hatten keine Arbeit mehr und kein Brot. Und obwohl die Menschen schon im Weltall unterwegs waren, merkte nur Gott selbst, wie die Welt angefangen hatte zu taumeln.

Am 14. Tag lag große Ruhe über der Welt. Es war etwas eingetreten, was Gott schon kannte: Tohuwabohu. Aber immer noch schwebte der Geist Gottes über der Erde. Und so machte sich Gott Gedanken, wie es weitergehen könnte. Auch einige Menschen merkten, dass sie bei all dem Tohuwabohu vergessen hatten, wer EIGENTLICH die Welt und sie selbst erschaffen hatte. Manche nutzten die gespenstische Ruhe und gingen in sich. Manche begannen wieder mit Gott zu sprechen. Andere nahmen wieder ihre Nächsten wahr und begannen zu helfen, wo es nur ging. Wieder andere versuchten händeringend das Tohuwabohu zu ordnen.

Am 15. Tag ging Gott wieder ans Werk. Gott sagte sich: Die Menschen haben nicht alles falsch gemacht. Ich habe sie schließlich so geschaffen. Vielleicht haben sie manches missverstanden. Aber ich habe sie so sehr lieb, dass ich sie unterstützen will in diesem Tohuwabohu. Langsam begann Gott, das Chaos zu ordnen – sinnvoll zu ordnen…

Suchen Sie sich Halt und Zuwendung bei Gott. Er ist immer noch der Lenker der Welt. Amen.

Es grüßt Sie & Euch ganz herzlich

Ihre & Eure Pfarrerin Friederike Schuppener

Andachten zum Mitnehmen an diesem Wochenende: am Ev. Gemeindehaus Aßlar; Ev. Kirche Aßlar; Ev. Gemeindehaus Klein-Altenstädten. Viele von uns sehnen sich wieder nach Präsenzgottesdiensten. Bitte informieren Sie sich über die aktuellen Termine in „Aßlar – Die Woche“ sowie auf unserer Homepage: www.kirche-asslar.de