Andacht im Januar 2024

Liebe Leserin, lieber Leser,

mit Schwung ins neue Jahr! Diese Empfindung schwingt bei vielen – zumindest unbewusst – mit im Januar. Die sogenannten „guten Vorsätze“ sind ein Teil dieser Dynamik. Manches soll eben anders, besser werden. Manches verändert sich ohne eigenes Zutun. Die Hoffnung auf Änderung, auf Aufbruch kann unter Stress setzen.

Ich möchte deshalb zu Beginn des neuen Jahres für mehr Gelassenheit und Ruhe plädieren, langsam im neuen Jahr ankommen, statt von Anfang an voll durchzustarten. Vielleicht mal im Freien Platz nehmen – sei es auch kalt und nass oder gar frostig. Mal einen Schneemann bauen – sei er auch noch so klein und von trauriger Gestalt. Ungewohntes, Unbekanntes, statt mit neuem Schwung in alten Bahnen, die so schnell zum allzu bekannten Trott werden. „Ich habe keine Zeit, mich zu beeilen“, hat der Komponist Igor Strawinsky einmal gesagt. Weil Zeit zu kostbar ist, um sie mit Hektik zu vergeuden.

Den Januar auch deshalb mit Ruhe und Gelassenheit begehen, weil wir noch vom großen Fest des letzten Jahres zehren. Gerade sind die Könige an der Krippe angekommen. Manche hatten schon vorher die Krippe abgebaut und auf den Speicher geräumt. Gerade erst hat  Jesus seine Geschenke – Weihrauch, Gold und Myrrhe – bekommen, und wir haben schon keine Zeit mehr, sein Geschenk an uns, seine Menschwerdung, zu feiern und in unserem Alltag wirken zu lassen. Manchmal habe ich den Eindruck, vor lauter Angst etwas zu verpassen, verpassen wir das Wesentliche.

Haben Sie schon den Jahresplan aufgestellt- Monat für Monat? Konnte alles wichtige dabei berücksichtigt werden? Und wenn nicht, wäre auch das kein Grund zur Sorge. Egal, ob im Januar oder im Dezember, wir sind immer in Gottes Hand; er ist der Herr aller Zeit. Nehmen Sie sich die Zeit, das nicht zu vergessen. Das wünsche ich uns allen.

Ihr/Euer Pfarrer Martin Reibis