Andacht im Mai 2024

Mai 2024

Der Wunsch nach Frieden

„Und der Frieden Gottes, der alle menschlichen Gedanken weit übersteigt, wird euer Herz und eurer Denken in Christus Jesus bewahren.“ (Philipper 4, 7 bibel. heute)

Der Wunsch nach Friede ist in den letzten Jahren immer größer geworden. Erst versetzte uns die Corona-Pandemie in Unruhe und große Angst vor Ansteckung und einem schlimmen Krankheitsverlauf. Gefühlt ohne eine Pause haben zu können, ging es direkt weiter: Die Ukraine wurde von Russland angegriffen und jetzt finden zusätzlich auch noch Kriegshandlungen in Israel statt. Es ist zum Verzweifeln. Hört das denn nie auf?
Inmitten dieser Unruhe und Ängste können wir aber auch Gottes Stimme hören. Worte, die jeden Sonntag im Gottesdienst gesprochen werden, um uns Mut zu machen. Gott lässt uns nicht alleine. Er will uns seinen Frieden geben, einen Frieden den uns die Welt niemals geben kann. Es ist ein Ausblick auf seine ewige Welt, die voller Frieden und Liebe ist. Wir dürfen ihm jetzt schon alle unsere Angste und Sorgen abgeben und darauf vertrauen, dass er sie durch eine tiefe Ruhe ersetzen wird, die uns in Zeiten der Angst durchträgt. Jedes Mal, wenn uns Angst überkommt, sollten wir uns angewöhnen zuerst Gottes Frieden zu suchen. Er wird unser Herz damit füllen und uns handlungsfähig machen.
Wir beten: Herr, du siehst unsere Ängste und Sorgen. Nimm sie weg und verwandel sie in Zuversicht und tiefen Frieden. Amen

Jugendleiterin Johanna Schulz


März 2024

Liebe Leserin, lieber Leser, das Kreuz ist das Symbol des Christentums schlechthin. Das war über viele Jahrhunderte auch kein größeres Problem. Heute freilich liegen die Dinge etwas anders. Jesus Christus ist am Kreuz gestorben. Und da beginnen dann die Schwierigkeiten. Für den neuzeitlich-aufgeklärten Menschen ergeben sich gleich mehrere Anfragen: Warum ein Symbol, das auf den Tod hindeutet? Überhaupt, was soll das Ganze? Wird da nicht Gewalt verherrlicht? Und was bedeutet das für unser Gottesbild? Will der diesen Tod am Ende sogar? Für mich hätte Jesus jedenfalls nicht sterben müssen! – lautet manchmal der Einwand, und das ist zu verstehen.

Der Tod Jesu an Karfreitag ist ein schwieriges Kapitel und kommt nicht so locker, flockig daher wie Weihnachten und Ostern. Es hilft aber nichts. Der Tod am Kreuz ist nun mal Realität und dabei noch das einzige Ereignis aus dem Leben Jesu, das auch in außerchristlichen Quellen belegt ist: „Der sogenannte Christus wurde unter der Herrschaft des Kaisers Tiberius durch den Prokurator Pontius Pilatus hingerichtet“ – schreibt der römische Historiker Tacitus.

Wie konnte es so weit kommen? Tja, wenn man auf die biblischen Erzählungen schaut, dann merkt man vielleicht, dass Jesus nicht unbedingt ein Mann der Mittelwege war. Kompromisslos hat er sich den Menschen zugewandt, vorzugsweise den Schwachen und Hilfsbedürftigen. Er war für Heilung, war für Liebe und auch für die Wahrheit. Das kam nicht überall gut an. Schon gar nicht bei den Oberen und Mächtigen. Das war Jesus aber ziemlich egal und so kam es, wie es kommen musste. Er kam unter die Räder beziehungsweise ans Kreuz. „Niemand hat größere Liebe als die, dass er sein Leben lässt für seine Freunde“, hat er diesbezüglich mal gesagt. Und was die Menschen dann tatsächlich am Ende mit Jesus angestellt haben, das ist mehr als beschämend. Einfach deshalb, weil es rein gar nichts mit Menschlichkeit zu tun hat. 

Paulus hat schließlich versucht, die Bedeutung vom Tod Jesu zu verdeutlichen: Den Weisen der Welt erscheint das Kreuz als eine Torheit Gottes. Ein Happyend ist das Kreuz zunächst nicht. Aber bei Gott liegen die Dinge anders, so Paulus. Seine Stärke zeigt sich gerade in dem, was wir für Schwäche erachten. Schwäche ist die wahre Stärke, und das Kreuz gibt davon Zeugnis.

Der Sohn Gottes gibt sich in das tiefste Elend der Welt. Gott selbst leidet am Kreuz mit. Stellvertretend für alles Leid dieser Welt. Und nur durchlebtes Leid ist am Ende überwundenes Leid. Insofern ist das Kreuz auch ein Zeichen des Sieges. Es ist ein paradoxes Symbol gegen die landläufige Meinung. Und schließlich wäre Gott nicht Gott, wenn nicht am Ende doch noch das Leben siegt. Durch den Tod hindurch. 

Kommen Sie gut durch die letzten Tage der Passionszeit immer auf Ostern zu. Das wünsche ich uns allen.

Ihr/Euer Pfarrer Martin Reibis


Januar 2024

Liebe Leserin, lieber Leser,

mit Schwung ins neue Jahr! Diese Empfindung schwingt bei vielen – zumindest unbewusst – mit im Januar. Die sogenannten „guten Vorsätze“ sind ein Teil dieser Dynamik. Manches soll eben anders, besser werden. Manches verändert sich ohne eigenes Zutun. Die Hoffnung auf Änderung, auf Aufbruch kann unter Stress setzen.

Ich möchte deshalb zu Beginn des neuen Jahres für mehr Gelassenheit und Ruhe plädieren, langsam im neuen Jahr ankommen, statt von Anfang an voll durchzustarten. Vielleicht mal im Freien Platz nehmen – sei es auch kalt und nass oder gar frostig. Mal einen Schneemann bauen – sei er auch noch so klein und von trauriger Gestalt. Ungewohntes, Unbekanntes, statt mit neuem Schwung in alten Bahnen, die so schnell zum allzu bekannten Trott werden. „Ich habe keine Zeit, mich zu beeilen“, hat der Komponist Igor Strawinsky einmal gesagt. Weil Zeit zu kostbar ist, um sie mit Hektik zu vergeuden.

Den Januar auch deshalb mit Ruhe und Gelassenheit begehen, weil wir noch vom großen Fest des letzten Jahres zehren. Gerade sind die Könige an der Krippe angekommen. Manche hatten schon vorher die Krippe abgebaut und auf den Speicher geräumt. Gerade erst hat  Jesus seine Geschenke – Weihrauch, Gold und Myrrhe – bekommen, und wir haben schon keine Zeit mehr, sein Geschenk an uns, seine Menschwerdung, zu feiern und in unserem Alltag wirken zu lassen. Manchmal habe ich den Eindruck, vor lauter Angst etwas zu verpassen, verpassen wir das Wesentliche.

Haben Sie schon den Jahresplan aufgestellt- Monat für Monat? Konnte alles wichtige dabei berücksichtigt werden? Und wenn nicht, wäre auch das kein Grund zur Sorge. Egal, ob im Januar oder im Dezember, wir sind immer in Gottes Hand; er ist der Herr aller Zeit. Nehmen Sie sich die Zeit, das nicht zu vergessen. Das wünsche ich uns allen.

Ihr/Euer Pfarrer Martin Reibis